Wir haben gesehen, dass infolge der Entstehungsgeschichte die Lagerstätten in verschiedenen Gebieten recht unterschiedlich sind. Das betrifft nicht nur die geologische, petrographische und mineralogische Beschaffenheit oder die physikalischen Eigenschaften des Schiefers, sondern auch seine bergbautechnischen Abbaumöglichkeiten. Bei analytischer Betrachtung beispielsweise aller europäischen Gewinnungsstätten scheint man ein Phänomen nicht von der Hand weisen zu können: je besser der Schiefer, desto schwieriger (kostenintensiver) seine Gewinnung. Es mag einzelne Ausnahmen geben. Aber dieses Phänomen ist beachtlich real. Auch innerhalb der oben beschriebenen Gewinnungsgebiete sind Unterschiede, und zwar sogar deutliche, möglich. Besonders gute Gesteinslagen kommen relativ selten vor und überschreiten nur in Ausnahmefällen 10-20 m Mächtigkeit.
Je besser der Schiefer, desto aufwendiger der Abbau
Die Literatur bezeichnet Schiefer, in denen Schichtung und Schieferung zusammenfallen, als Schicht-, Platten- oder Massenschiefer; andere, in denen Schichtung und Schieferung einen Winkel bilden, werden als Druck- oder Krappenschiefer bezeichnet. Druckschiefer lässt sich beliebig dünn spalten. Dagegen ist bei Massenschiefern die minimale Dicke beschränkt.
Schieferqualität lässt sich nicht an der Landesflagge ablesen
Aus der angesprochenen Kompliziertheit der Materie ergibt sich für den Verwender, dass er nicht einfachhin »Schiefer« anfragen kann, will er (qualitativ) sichergehen, einen seinen Vorstellungen entsprechenden Schiefer zu bekommen. Jedenfalls sollte auch deutlich geworden sein, dass Qualitätbeurteilungen sich keineswegs an einer Landesflagge, ja nicht einmal an einer Provinzflagge orientieren können.
Die meisten Länder haben unterschiedliche Lagerstätten, und es ist dann im Sinne einer Beurteilung gänzlich falsch z.B. pauschal von »deutschem«, »französischem« oder »spanischem« Schiefer zu sprechen.
Aber wie ist letztlich überhaupt eine Beurteilung möglich? Was ist ein guter und was ein schlechter Schiefer? Was bedeutet hier konkret Qualität? Woran erkennt man bei der Auswahl, dass der betreffende Schiefer haltbar und farbbeständig ist?
In Anfrage- und Ausschreibungstexten ist häufig in enger und nicht ermessensfreier Auslegung der VOB von »X-Schiefer oder gleichwertig« bzw. »oder ähnlich« zu lesen. Was ist bei einer großen Vielzahl von Kriterien gleichwertig?
Um in dieser komplexen Thematik Transparenz zu schaffen, müssen zunächst einmal die grundsätzlichen Anforderungen herausgearbeitet werden. Was ist
»gleichwertig«?

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