Diese Ausarbeitung wendet sich an den Fachmann, der sich für das wunderbare Naturprodukt Schiefer interessiert und begeistert, aber über Schiefer mehr wissen möchte. Aus diesem Grunde haben wir, wie in der ersten Auflage, eine klare Sprache gewählt und sprechen auch Risiken für den Fall der falschen Schieferauswahl offen an. Das hat sich bewährt.
Einführung
Schiefer ist ein Naturprodukt. An Dach und Wand seit Jahrhunderten bewährt, verbindet sich im Schiefer naturnahes Bauen mit den Anforderungen eines Baustoffes der Zukunft. Seine architektonische Vielseitigkeit, zusammen mit seiner Beständigkeit, machen ihn zu einem Baustoff par excellence.
Moderne und rationelle Gewinnungsmethoden im Schieferbergbau sowie neue Formate und Verlegetechniken ermöglichen es, dass sich heute jeder Bauherr wieder ein Schieferdach oder eine Schiefer-Wandbekleidung leisten kann. Die Wahl der Deckart ist für den Preis ausschlaggebend.
Schiefer ist wieder für jeden erschwinglich
Das verstärkte Interesse von Architekten, Dachdeckern und Bauherren verlangt Aufklärung über die Zusammenhänge von Gesteinsqualität, richtiger Zurichtung des Decksteins und Verlegetechnik, denn Schiefer ist nicht gleich Schiefer. Bearbeitung ist nicht gleich Bearbeitung und Deckung nicht gleich Deckung. Die Materie ist komplex.
Bauherren und ausschreibende Architekten müssen sich auf die langjährige Funktionstüchtigkeit der Dach- bzw. Wandeindeckung verlassen können. Der Dachdeckermeister steht werkvertraglich direkt zweifach in der Gewährleistung: Für die fachgerechte Verlegung, die hohe Ansprüche an sein handwerkliches Können stellt, wie auch für die Qualität des von ihm verarbeiteten Schiefers. Er muss sich dabei auf Fachwissen, Gewissenhaftigkeit und Seriosität seines Schieferlieferanten verlassen können.
Schiefer ist nicht gleich Schiefer
Aber woran erkennt man einen einwandfreien Schiefer? Sicher, es gibt zahlreiche Prüfmethoden, aber, um es vorwegzunehmen: Sein letztes Geheimnis hat der Schiefer noch nicht preisgegeben. Letztlich ist die Langzeiterfahrung mit dem Material ausschlaggebend, wenn auch der Fachmann aus der verwirrenden Vielfalt der einzelnen Prüfdaten in gewissem Umfange Rückschlüsse ziehen kann.
Schieferkauf ist somit Vertrauenssache, wobei der jeweilige Schieferlieferant aufgefordert ist, das in ihn gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen.
Sein letztes Geheimnis hat der Schiefer noch nicht preisgegeben
Die Materie des Schiefers ist, wie sich in den nachstehenden Ausführungen noch zeigen wird, außergewöhnlich vielschichtig. In der Tat effizient nur von Spezialisten zu beherrschen, die sich ausschließlich und kontinuierlich von A bis Z damit befassen. Allein der Entstehungsprozess über den Zeitraum von bis zu 500 Millionen Jahren, je nach Vorkommen und die daraus sich ergebenden vorkommens-spezifischen Besonderheiten in den Eigenschaften, ist eine Wissenschaft für sich.
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Die drei Qualitätsebenen | ||||||||||
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Schiefer zur Verwendung an Dach und Wand tangiert die Geologie, Petrographie, Mineralogie, Gesteinsphysik und Chemie ebenso wie die Schiefer-Bergbaukunde (die sich deutlich vom üblichen Bergbau unterscheidet). In den einzelnen Gewinnungs- und Fertigungsstufen (Bearbeitungsstufen) sowie Qualitäts-Kontrollstufen sind unterschiedliche Spezial-Kenntnisse notwendig, so bei der Aus- und Vorrichtung, beim Gewinnungsvorgang selbst, bei der Vorselektion, der Vorspaltung, dem Sägen, Spalten, Zurichten und dergleichen. Die Kenntnis geeigneter Prüfmethoden und deren Aussagekraft ist ebenfalls nicht unwichtig.
Zu guter Letzt muss der Schiefer am Gebäude fachgerecht verlegt werden. Das deutsche Dachdeckerhandwerk kann hier auf eine Jahrhunderte alte Tradition zurückgreifen und eine fast künstlerisch zu nennende Handwerksfähigkeit mit Stolz für sich in Anspruch nehmen.
Isolierte, rein wissenschaftliche Betrachtungen für sich allein sind aber nicht ausreichend, um zu zuverlässigen Aussagen über die Tauglichkeit dieses oder jenes Schiefers zu gelangen. Die Optimierung wird nur mit einem breiten Erfahrungshorizont erreicht.
Diese Ausarbeitung soll auch bewusst keine wissenschaftliche Abhandlung sein. Vielmehr sieht es der Verfasser als Ziel an, dem Planer und Verwender für seine Belange in einer möglichst einfachen und transparenten Form eine Art »Grundlagen-Übersetzung« als Hilfestellung für seine Material-Entscheidung zu liefern.
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